Turkmenistan und das Tor zur Hölle

3.-5. August 2015: Nachdem es nach unserem Grenzübertritt noch relativ früh war, grübelten wir was wir hinsichtlich des Verbots nach Konye Urgench zu fahren unternehmen sollten. Wie ursprünglich geplant dort zu übernachten (inkl. Registrierung) erschien uns zu heiß. Ganz auslassen wollten wir den Ort aber auch nicht und so fassten wir den Plan mit dem lokalen Bus die 2 Stunden in den Norden zu fahren, Konye Urgench zu besichtigen und danach direkt wieder in Richtung süden zu fahren.

Einst Zentrum des Khorezm Reichs im 12.Jahrhundert ist Konye Urgench heute eine der wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten von Turkmenistan – wenn auch deutlich weniger touristisch entwickelt wie die anderen Seidenstraßenstädte im benachbarten Usbekistan. Eigentlich stehen die etwas heruntergekommenen Mausoleen, Moscheen und ein riesiges Minarett wild verteilt in der Wüste bzw. am Stadtrand von Konye Urgench.

Statt westlichen Touristenhorden sind es hier primär die Einheimischen, die den als heilig geltenden Ort besuchen und darauf hoffen, durch verschiedene Rituale etwas von dieser Heiligkeit abzubekommen. So sieht man Menschenschlangen das Minarett mehrfach umrunden, bunte Tücher werden an Bäume gebunden (es geht darum etwas persönliches dort zu lassen), alte Frauen drehen Runden durch einen Bogen aus zusammengebundenen Ästen, in der Moschee drängen sich Mädels dicht in eine Vertiefung im Boden… All das macht den historischen Ort lebendig und trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Wieder ganz anders als in den Nachbarländern….

Leider verpassen wir das für den Ort bekannte Fruchtbarkeitsritual, bei dem Frauen und Mädels einen Hügel herunterrollen, da dieser aktuell von der Regierung geschlossen ist. 😉

image
image
image
image
image

Das Ganze erwies sich dann auch als richtiger Glücksgriff, denn wir lernten dort 2 Spanierinnen kennen, die im Prinzip den gleichen Weg wie wir hatten (nur halt legal mit Touri-Visum und Guide). Nachdem sie noch Platz im Auto hatten und der Guide auch nicht abgeneigt war ein paar Dollar extra zu verdienen ging es zu viert weiter in Richtung Süden.
image
image
image

Auch das zweite Problem, für das wir bis zu diesem Zeitpunkt keine Lösung hatten, wurde damit gelöst. Wir wollten den brennenden Gaskrater sehen, der mitten in der Karakum-Wüste im Zentrum Turkmenistans liegt. Dieser war ebenfalls Bestandteil der Tour der Spanierinnen und so konnten wir auch diesen vergleichsweise günstig erleben. Vor mehr als 40 Jahren brach bei der Suche nach Gas die Erde ein und der Darvaza-Krater mit geschätzt 50m Durchmesser entstand. Aus diesem strömten große Mengen Gas und deshalb beschlossen Naturschützer dieses anzuzünden, um die umliegende Natur weniger zu belasten. Der eigentliche Plan war, dass der Gasvorrat nach wenigen Tagen aufgebraucht sein würde und das Feuer von allein erlischt… naja, so kann man sich täuschen 😉 War auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis. Man fühlt sich mit der Hitze und den Flammen wirklich wie am Tor zur Hölle. Besonders nachts verbreitet der Krater eine krasse Stimmung und ist natürlich ein wahnsinns Fotomotiv. Übernachtet haben wir dann im Zelt, mitten in der Einöde, nur ca. 200m vom Kraterrand entfernt.
image
image
image
image
image

image
image
image

image

Am nächsten Morgen ging es dann zu 2 weiteren Kratern, die aber weniger spektakulär waren. Einer davon mit blubberndem Schlamm, der andere mit Wasser gefüllt. Im Anschluss konnten wir aufgrund einer Komplettsperrung der Hauptverkehrsstraße (es gab Gerüchte, dass der Präsident einfach die Straße für sich allein beanspruchte) noch Jabent, ein kleines Wüstendorf, besichtigen. Außer vielen Babykamelen, einem Haufen Fahrzeug-Achsen und viel Sand gab es nicht sooo viel zu sehen.

Der letzte Stopp kurz vor Ashgabat war dann eine Waschanlage. Der Präsident hat nämlich erlassen, dass keine dreckigen Autos in seine schöne Prunkstadt fahren dürfen. Wenn es geregnet hat, haben die Einwohner z.B. nur 15 Stunden Zeit ihre Autos zu waschen sonst hagelt es empfindliche Geldstrafen… total crazy!!
“Total crazy” trifft irgendwie generell auf Ashgabat zu. Mal von der Temperatur abgesehen (abends um 18Uhr noch 47 Grad), gibt es ne ganze Reihe von Merkwürdigkeiten. Der Lonely Planet beschreibt Ashgabat als Mischung zwischen Pjöngjang und Las Vegas. Wir waren zwar in beiden Städten noch nicht, können es uns aber gut als zutreffende Formulierung vorstellen. 100km außerhalb noch in diesem armen Dorf in dem es nichts gibt und die Leute mit den einfachsten Dingen auskommen und hier in dieser blitzsauberen Prunkstadt bei der fast jedes Gebäude mit weißem Marmor verkleidet ist. Wir fühlten uns sehr an das Kapitol aus “The hunger games” erinnert. Auch von der Geschichte sehr passend, weil sich der Präsident hier auch nicht um die Außenbezirke schert.

Gerade in der Nähe des Präsidentenpalasts war es als Tourist eher schwierig, weil an jeder Ecke ein Polizist oder Militär stand, der einen mit dem bereits bekannten “MISTER, CLOSED!!!” gefolgt von “NO FOTO!!” wieder in die andere Richtung schickte. Ein paar Bilder haben wir aber trotzdem eingeheimst 😉

Unser Hotel war mit $40 pro Nacht die günstigste Option der Stadt,  das bisher teuerste unserer Reise und gleichzeitig das größte Dreckloch. Als erste Amtshandlung habe ich im Bad erstmal 5 Kakerlaken erschlagen. Lustig war auch die Rezeptionistin, die kein Wort Englisch sprach. Jedes Mal, wenn wir kamen, hat sie provisorisch gleich mal eine Art Übersetzer angerufen. Im Anschluss wurde dann munter der Hörer hin und her gereicht. Gut, dass wir uns bereits am nächsten Morgen in Richtung Iran verabschiedeten…wobei uns die Rezeptionistin am Ende noch mit geworfenen Küsschen verabschiedete 🙂

Schreibe einen Kommentar