21.-24. Mai 2016: Nun waren wir also wieder zurück in Leticia und hatten einen Tag für die Orga der letzten Details unseres nächsten Reiseabschnitts: von Tabatinga (der brasilianischen Grenzstadt direkt neben dem kolumbianischen Leticia) bis Manaus vier Tage und drei Nächte mit dem ‘slow boat’ den Amazonas runter.
Letzte Vorbereitungen
Da galt es tatsächlich noch einiges zu erledigen. Die Boottickets hatten wir uns glücklicherweise schon vor unserem Trip nach Puerto Nariño gesichert. Nun mussten wir noch unsere Visageschichten regeln, da es in der Region keine offiziellen Grenzposten gibt, die man ja sonst an anderen Grenzen für diese Formalitäten mehr oder weniger automatisch passiert. Also ab ins Tuktuk und zum Flughafen auf kolumbianischer Seite, um den Ausreisestempel abzuholen, und weiter zum Check-in in Brasilien auf der lokalen Polizeistation. Dass wir erst am nächsten Tag tatsächlich ausreisen würden, interessierte dabei niemanden.
Nachdem wir das geschafft hatten, fehlte noch eine Hängematte für Flo, denn ich hatte meine ja schon in Ecuador gekauft. Das würde dann unser Bett/Sitzplatz/… oder wie auch immer für die nächsten Tage sein. Denn mehr als ein paar Eisenstangen an Deck, um die eigenen Hängematten aufzuhängen, war in unserem Ticketpreis nicht inbegriffen. Zumindest was den Schlafplatz anging, denn die Mahlzeiten sollten inklusive sein.
Um für den Fall der Fälle das Überleben zu sichern, besorgten wir uns aber vorsichtshalber noch ein paar Tüten mit den üblichen gesunden Snacks (Cracker, Kekse, Kuchen) und zwei Flaschen Rum. Man weiß ja nie…. Damit waren wir für die kommenden vier Tage hoffentlich ausreichend gerüstet.
Es geht los!
Am nächsten Tag sollten wir um 11.30 am Hafen sein und die planmäßige Abfahrt wäre um 15.00 Uhr gewesen. Theoretisch. Wir warteten bis 15.00 Uhr allein auf die Ankunft der Polizei, die alle Passagiere, das Gepäck und das gesamte Boot nochmal überprüfen wollte. Im Weltzentrum des Drogen-Schmuggels irgendwie auch nicht überraschend ;-). Gegen 16.00 Uhr konnten wir immerhin unsere Hängematten an einem sorgsam gewählten Platz auf dem oberen Deck aufhängen und um17.30 ging es tatsächlich los. Alles eher slow, aber das ist Teil des ganzen Spaßes – sonst hätte man ja auch das Flugzeug nehmen können…



Etwa 1500km auf dem Amazonas lagen vor uns, die wir mit etwa 100 bis 150 anderen Reisenden in der kuscheligen Atmosphäre einer Großraumkabine teilten. Dabei ist das keineswegs eine Touristentour, sondern der typische Transportweg der Einheimischen im Amazonasgebiet, wo es praktisch keine Straßen gibt und ein Flugticket für viele unerschwinglich ist. Mit uns waren noch drei Deutsche, vier Franzosen und ein Ire an Bord und sonst ein bunter Mix aus Kolumbianern, Peruanern und Brasilianern.
Der actionreiche Teil lag jetzt auch hinter uns und die Tage bestanden nur noch aus entspanntem Liegen in der Hängematte, Beobachten des vorbeiziehenden Dschungels am Ufer, Kartenspielen und politischen Diskussionen mit unseren Hängemattennachbarn Wolfgang und Lennart und einem kleinen Nickerchen zwischendurch, um sich von diesen Aktivitäten zu erholen.
Unterbrochen wurde dieser geruhsame Tagesablauf nur durch die eine odere andere Polizeikontrolle, eine Gruppe kleiner Rabauken, die ihren Kitatreff irgendwie immer direkt hinter uns abhielten, und die drei Mahlzeiten, die im Gemeinschaftsraum serviert wurden, wo in Schichten gegessen wurde. Denn alle Passagiere hatten darin auf ein Mal keinen Platz. Mit dem üblichen Reis, Bohnen, Nudeln und Fleisch sicherlich keine kulinarische Gaumenfreude, aber essbar war es durchaus :-). Unangefochtenes Highlight des Tages waren aber die atemberaubenden Sonnenuntergänge über dem Amazonas und der anschließende Sundowner (lecker warme Rum/Cola ;-)) in der Hängematte.






































Ankunft in Manaus – Bem-Vindo in Brasil
Wo sich das schwarze Wasser des Rio Negro mit dem gelbbraunen des Amazonas mischt, erreichten wir schließlich am frühen Nachmittag Manaus. Mit unserern Reisegefährten Wolfgang und Lennart stimmten wir uns bei einem ersten Caipi vor der berühmten Oper in Manaus auf Brasilien ein und fuhren dann direkt an den Flughafen…. Next stop: São Luis, wo wir uns am nächsten Tag mit Katharina treffen wollten.








Insgesamt war es eine tolle Erfahrung und wohl der entspannteste Transport der ganzen Weltreise. Luxus darf man natürlich nicht direkt erwarten, aber entgegen vieler Horrorberichte im Internet war das Reisen deutlich relaxter als gedacht: das Essen war ok, wir wurden nicht von Ninja-Moskitos gefressen, die Duschen hatten kein braunes Wasser, das Boot bot genug Platz, auch wenn man mal mit dem Hängemattennachbarn auf Tuchfühlung ging, und an das Schlafen in der Hängematte waren wir ohnehin schon gewöhnt. Und der Romantikfaktor mit dem Boot den Amazonas runterzuschippern macht eh alles andere wett :-).
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