31. Oktober – 9. November 2015: Da waren wir also, am Fuße des weltberühmten Himalaya, nicht ganz sicher ob wir körperlich für den bevorstehenden 8-Tages-Trek zum Goecha La gewappnet sind. Goecha (der Schlüssel) und La (das Schloss), soll heißen, dass der Trek der Zugang zu einem fantastischen Ausblick auf den Kangchendzonga ist, übersetzt “5 hidden treasures of snow”, der mit seinen knapp über 8.500m der dritthöchste Berg der Welt ist.
Ganz so hoch wollten wir 5 Europäer und 19 Inder, aus denen unsere Gruppe bestand, aber dann doch nicht hinaus. Zusätzlich war noch ein Trekleader, etwa 15 weitere Crewmitglieder (hauptsächlich Viehtreiber und Küchenhilfen) und diverse Dzos (Mischung aus Kuh und Yak), die den ganzen Krempel hochschleppen mussten, mit von der Partie.
Nach einem ersten gemeinsamen Abendessen in Yuksom, inkl. Vorstellungsrunde, sollte es schließlich am nächsten Morgen losgehen. Bereits bei der Vorstellung zeigte sich, dass es hinsichtlich Erfahrungslevel doch eine sehr sehr große Spanne gab. Von Leuten die noch nie mehr als die Stufen zu ihrem Büro hochgestiegen sind, bis hin zu Leuten, die schon Treks bis über 6.000m gemacht hatten, war alles dabei. Wir wähnten uns irgendwo im Mittelfeld 😉
Tag 1: Yuksom (1750m) nach Sachen (2150m)
Bereits nach der ersten relativen einfachen Tagesetappe stuften wir uns selbst ins obere Mittelfeld hoch. Es gab tatsächlich Leute, die bereits hier erst mehrere Stunden später das Camp erreichten. Wir konnten es kaum glauben. Der Pfad verlief gemächlich und malerisch mit leichten An- und Abstiegen durch den Wald am Fluß entlang, den wir mehrfach über ziemlich wacklige Brücken überqueren mussten. Bereits gegen Mittag schlugen wir das erste mal unsere Zelte für die Nacht auf.








Tag 2: Sachen (2150m) nach Tshoka (2987m)
Ganz ähnlich verlief der 2. Tag, der allerdings schon etwas mehr Anstiege inne hatte. Viele Gruppen gehen den Weg von Yuksom nach Tshoka auch in einem Tag, um einen weiteren Akklimatisierungs-Tag in größerer Höhe übrig zu haben. Vom Camp hatte man eine schöne Aussicht hinunter bis nach Yuksom. Der Blick nach oben war aber nachmittags meist durch Wolken versperrt. Trotzdem unternahmen wir noch einen kurzen Akklimatisierungs-Hike zu einem kleinen Aussichtspunkt ca. 100 Höhenmeter oberhalb des Camps. Abends wurde es hier schon das erste Mal frisch und wir kramten unsere Daunenjacken und Mützen raus.





Tag 3: Tshoka (2987m) nach Dzongri (4090m)
Die erste richtige Challenge wartete an Tag 3 auf uns. Hier ging es relativ steil und kontinuierlich durch den Rhododendron-Wal aufwärts. Mit all dem Moos fühlten wir uns wie im Märchenwald aus Harry Potter. Mittags stoppten wir für unser eingepacktes Lunch bei einer kleinen Hütte auf halbem Wege. Ein sehr aufdringliches Pferd wollte ebenfalls an unser Lunch und bekam mehrere körperliche Platzverweise erteilt 😉 Nach 5 Stunden hatten wir es dann geschafft. Ein paar andere quälten sich bis kurz vor Sonnenuntergang.











Tag 4: Dzongri (4090m) nach Thangsing (4020m)
Morgens um 4 Uhr wurden wir geweckt, um pünktlich zum Sonnenaufgang am Dzongri Top auf ca. 4300m zu sein. Ganz schön ätzend, wenn man sich aus seinem warmen Schlafsack schält und das Außenzelt gefroren ist. Die Aussicht, die uns dann geboten wurde, entschädigte aber für alles und wir konnten ein paar klasse Schnappschüsse in dieser spektakulären Kulisse landen. Wir konnten den kompletten “sleeping Buddha”, bestehend aus Kangchendzonga (Kopf und Körper) und Mt. Pandim (Füße, ca. 6.600m), bewundern obwohl es doch ziemlich kalt war.







Danach ging’s wieder runter ins Camp und über weite Wiesen und Hochebenen ein bissl hoch und runter bis nach Thangsing. Leider war es nachmittags wieder sehr neblig, aber hin und wieder konnten wir doch ein paar spektakuläre Blicke auf die schneebedeckten Riesen um uns herum erhaschen. Ob der Flächen war’s dann oben in Thangsing auch ganz schön windig und damit sehr kalt. Kein Spaß wenn man nachts zum Pinkeln muss.









Tag 5: Thangsing (4020m) nach Lamuneh (4100m)
Ein leichter Tag, der hauptsächlich der Akklimatisierung gewidmet war. Nur ca. 2 Stunden dauerte die Wanderung entlang des Flusses. Allerdings gehörten die Aussichten auf diesem Teilstück mit zu den schönsten, denn durch das offene Gelände wurde der Blick auf die gewaltigen Berge ringsum, wie dem Pandim mit seinen ca. 6.600m, kaum getrübt. Vom Camp aus machten wir erneut einen 1,5 stündige Akklimatisierungs-Hike zum etwas höher gelegenen Samiti-Lake. Zurück im Camp merkte man deutlich wie der Wohlfühlfaktor von Camp zu Camp abnahm. Die klirrende Kälte, besonders durch den eisigen Wind, reduzierte die Zeiten die man gemeinsam bei einem Schwätzchen verbrachte deutlich. Nach dem Essen waren die meisten Leute recht zackig verschwunden, um ihre kalten Füße in die Schlafsäcke zu packen und sich von den Strapazen des Tages zu erholen.















Tag 6: Lamuneh (4100m) nach Goecha La (4727m) nach Kokchurong (3725m)
Morgens bzw. eigentlich mitten in der Nacht wurden wir mit Tee geweckt. Es war quasi der Gipfeltag, obwohl wir natürlich keinen der gigantischen Gipfel des Himalaya als Ziel hatten. Unser Ziel war pünktlich zum Sonnenaufgang am Goecha La zu sein. Wir schafften es alle drei und genossen zusammen die tolle Aussicht vom höchsten Punkt auf dem wir jemals waren. Überglücklich genossen wir den Moment, bevor uns die -15°C zum Rückzug zwangen. Außerdem lag noch ein weiter Weg vor uns, denn während für den Aufstieg 6,5 Tage geplant waren, waren es für den Abstieg nur 2 1/2. Daher ging es vorbei an Lamuneh und Thangsing runter bis nach Kokchurong (3725m). Ein im Märchenwald gelegenes Camp in dem wir ausnahmsweise nicht im Zelt, sondern in einer kleinen Holzhütte schliefen.























Tag 7: Kokchurong (3725m) nach Tshoka (2987m)
Durch den zauberhaften Wald ging es teilweise über einen Holzpfad hinab bis wir schließlich erneut in Tshoka ankamen. Wir waren recht flott unterwegs und so genossen wir das zunächst herrliche Wetter am kleinen See des Orts und besichtigten später noch das örtliche Kloster. Dann zog das Wetter aber bereits wieder zu und schwupps waren wieder Daunenjacke und Mütze nötig.









Tag 8: Tshoka (2987m) nach Yuksom (1750m)
Am letzten Tag ging es dann die letzten 12km Strecke zurück nach Yuksom. Auf dem Weg begegneten wir bereits weiteren Trekkern, deren Tour gerade erst begonnen hatte. Wir wünschten ihnen viel Glück, gutes Wetter und warme Klamotten 😉 Nach unserer Ankunft in Yuksom sehnten wir uns dann erst mal sehr nach einer heißen Dusche. Leider waren waren wir schneller als unsere Yaks und so mussten wir uns die Wartezeit mit einem kleinen Bierchen und ein paar Momos vertreiben.




Insgesamt sind wir 90km in 8 Tagen marschiert und haben einige Höhenmeter (siehe oben) überwunden. Der Trek war landschaftlich sehr abwechslungsreich – nur das Klima war eine wirkliche Herausforderung (man beachte, dass das schon die beste Zeit des Jahres war und man die Tour wegen Monsun und Schnee überhaupt nur während vier Monaten im Jahr unternehmen kann). Die große Gruppe hat die Tour noch kurzweiliger gemacht und nette Unterhaltungen und abendliche Jamsessions (ja, ein verrückter Ire hat da sogar noch seine Gitarre hochgeschleppt! ;-)) haben dem Ganzen noch eine besondere Note verliehen.
So war es für uns eine sehr schöne und intensive Zeit in diesem atemberaubenden Gebirge und es war sicher nicht das letzte Mal, dass man uns im Himalaya zu Gesicht bekommen hat.
Am folgenden Morgen mussten wir leider wieder die “tollen” Straßen mit den Jeeps zurück, die wir gekommen waren, denn unser Nachtzug nach Varanasi wartete auf uns…