Verrücktes Varanasi

10. – 13. November 2015: Nach einer 18-stündigen Zugfahrt in der berüchtigten Sleeper Class kamen wir endlich gegen Abend in Varanasi an. Sleeper Class war in diesem Fall die Holzklasse und entsprechend günstigste Option, da leider alle anderen Klassen ausgebucht waren… Tja, und so fuhren wir also in einem ziemlich beengten, dunklen und sicherlich nicht sauberen Schlafwagen mit vielen Indern und gefühlt noch mehr Verkäufern von allem, was ess-oder trinkbar war – ein Erlebnis für sich, aber im Endeffekt total ok.
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Varanasi ist bunt, mystisch und chaotisch und eine ältesten durchgängig bewohnten Städte der Welt. Sie gehört zu den sieben heiligen Städten des Hinduismus, denn das Wasser des Ganges gilt als heilig und man kann sich durch ein Bad von seinen Sünden reinwaschen. Auch zum Sterben ist es ein besonderer Ort, denn wer hier stirbt, kann aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ausbrechen. Somit kommen also viele Inder zur Reinigung, zum Sterben oder um ihre Verwandten zu beerdigen nach Varanasi.

Wir haben in den drei Tagen dort viele verbrennende Leichen am Fluss gesehen und in der Altstadt kommt auch ständig eine kleine Trauerprozession vorbei, die eine in Tücher gewickelte Leiche auf einer Bahre trägt… verstorbene schwangere Frauen, Kinder, Heilige und Kühe werden übrigens mit Steinen beschwert im Ganges versenkt, da sie schon als rein gelten und daher nicht verbrannt werden müssen. Also alles nichts für schwache Nerven 😉

Aber das ist nur ein Teil des täglichen Wahnsinns in Varanasi. An allen Ecken gibt es etwas zu entdecken und auch nach drei Tagen ist es uns nicht langweilig geworden einfach durch die Gässchen der Altstadt oder an den 80 Ghats (Treppen hinunter zum Wasser) entlang des Ganges herumzuschlendern.

Am ersten Tag sind wir aber erst mal ganz entspannt damit gestartet, bei Sonnenaufgang das Treiben von einem Boot auf dem Ganges aus zu beobachten. Im Morgengrauen herrscht im milden Licht eine ganz besondere Stimmung und man sieht wie Pilger ein rituelles Bad nehmen oder der aufgehenden Sonne puja darbringen (Gebetszeremonie). An einem der Ghats gibt es auch eine eindrucksvolle offizielle Zeremonie, bei der sieben Männer der Sonne mit Feuer huldigen. Und auch zum Sonnenuntergang findet die Zeremonie zur Huldigung des Flusses, ganga aarti, am Dasashwamedh Ghat mit tausenden von Zuschauern statt.

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Morgenzeremonie

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Burning Ghat

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Abendzeremonie

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Aber zu allen Tageszeiten blieb das Leben an den Ghats ein Spektakel für sich: da gibt es die Ghats zum Wäschewaschen, die burning Ghats mit den Scheiterhaufen zur Leichenverbrennung, Leute die Opfergaben darbringen oder verkaufen, es werden Büffel gewaschen, Yoga gemacht, überall laufen Sathus (heilige Männer in entsprechenden Outfits) herum… und wir waren mittendrin!
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Feuerholz für die Verbrennungen

Das zweite Highlight Varanasis ist die Altstadt mit ihren hunderten von Tempeln und engen Gässchen, die sich hinter den Ghats erstreckt. Auch dort haben wir viel Zeit damit verbracht, die Märkte zu erkunden, allemöglichen Süßigkeiten zu probieren und waren mehrfach beim Lassi-Verkäufer unseres Vertrauens. Dabei mussten wir ständig einer der tausenden Kühe, die die Stadt bevölkern, aus dem Weg gehen oder ein bisschen tätscheln, wenn diese gerade liebesbedürftig war.
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Zu all dem kam noch hinzu, dass wir genau zum Diwali Fest, dem indischen Lichterfest, in Varanasi waren. Dort sollte es am Fluss besonders schön sein… Wir hatten daher mit unserem Hostel einen abendlichen Bootscruise mit Dinner gebucht, um das ganze Spektakel vom Fluss aus zu beobachten. Inklusive war auch eine kleine Zeremonie im Hostel, denn eigentlich wird Diwali, ähnlich wie Weihnachten, eher im Kreise der Familie gefeiert. Nur die bunte Beleuchtung der Häuser, die Kerzen überall und das Feuerwerk bzw. die Knaller bekommt man davon als Außenstehender mit. Auch wenn das Essen nicht der Hit war, war es doch ein netter Abend… und auch eine weise Entscheidung nicht durch die Stadt zu laufen, denn die Kracher haben es echt in sich und sind sicher nicht auf dem deutschen Markt zugelassen.
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Nach drei Tagen sind wir dann aber wieder in den nächsten Nachtzug gestiegen (diesmal immerhin dritte Klasse ;-)) und weiter gen Agra gereist. Unser Resüme: Wer Indien bereist muss auf jeden Fall nach Varanasi, sonst hat man echt was verpasst!
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