22. – 24. November 2015: Unsere letzten Tage in Indien hatten wir so kalkuliert, dass wir zur berühmten Pushkar Mela – der Camel Fair – in Pushkar sein konnten. Jedes Jahr findet dort für ca. eine Woche ein großes Festival statt, das das kleine Städchen (nur ca. 15 000 Einwohner) mit etwa 200 000 Besuchern zum Überlaufen bringt. Das Ganze ist ein ungeheuer farbenfrohes und fantastisches Spektakel, aber auch echt laut und anstrengend.
Das Festival beinhaltet prinzipiell drei verschiedene Aspekte: zunächst ist es tatsächlich einer der weltgrößten Viehmärkte, wo sich Kameltreiber aus der ganzen Region treffen, um Handel zu treiben. Die Kamele sind dabei teilweise reich geschmückt und haben Muster ins Fell rasiert … aber auch Kühe und die legendären Marwari-Pferde sind vertreten. Dies steht in den ersten Tagen im Vordergrund bis dann eine Art Jahrmarkt beginnt, wo es allerlei Fressbuden, Fahrgeschäfte, kulturelle Musik- und Tanzveranstaltungen sowie Programmpunkte á la Schnurrbartwettbewerb, Kamelschönheitswettbewerb oder Kamelrennen gibt. Dazu kommen Schlangenbeschwörer, seiltanzende Kinder, Händler aller Art und man kann sich auch direkt vor Ort tätowieren lassen. Alles in allem also ein ziemlich verrückter Mix.
Zuletzt ist es aber eigentlich ein religiöses Fest, bei dem Pilger nach Pushkar kommen, um im heiligen Wasser des Sees an einem der 52 Ghats zu baden und sich so von ihren Sünden reinzuwaschen… und das möglichst bei Vollmond, dem letzten Tag des Festivals. Der See soll übrigens deshalb entstanden sein, weil Brahma (einer der Hauptgötter im Hinduismus) dort eine Lotusblühte hat fallen lassen. Dadurch ist der Ort auch das restliche Jahr eine berühmte Pilgerstätte und es gibt neben dem See in der Mitte der Stadt hunderte von Tempeln.








Wir haben die Tage in Pushkar damit verbracht, die energiegeladene, wuselige Atmosphäre zu genießen und sind immer wieder durch die gewundenen Gassen der Altstadt mit all den Souvenirshops und tausenden von Leuten geschlendert, haben das bunte Treiben der badenden Pilger am See beobachtet und viel Zeit im Stadion (Ort der meisten Veranstaltungen) oder am sogenannten Camel Ground (wo das ganze Viechzeug und die Nomaden campierten) verbracht. Da gab es wirklich tolle Fotomotive!




























Leider hatten wir allerdings den Höhepunkt des Kamelhandels verpasst und viele Kameltreiber waren schon wieder in die Wüste zurückgewandert. Dafür war der Jahrmarkt in vollem Gange und wie haben mehr vom religiösen Teil mitbekommen, wie z.B. eine große See-Zeremonie am Vorabend unserer Abreise und Tag vor Vollmond.
Neben dem ganzen Tamtam um die Fair herum, haben wir auch noch die zwei umliegenden Hügel bestiegen, um dort vom jeweiligen Tempel am Gipfel eine schöne Aussicht über die Stadt zu genießen – einmal zum Sonnenaufgang und einmal zum Sonnenuntergang. Die Ruhe dort oben war nach all der Hektik in der Stadt fast das Beste… denn auch wenn die Zeit in Pushkar wahnsinnig spannend und interessant war, so waren wir doch ganz froh am Ende abzureisen und wieder in ruhigere Gefilde zu fahren bzw. zu fliegen.






Zwischstopp in Ajmer
11km von Pushkar entfernt befindet sich Ajmer, die nächstgrößere Stadt, die wie ein Gegegenpol zu dieser Hindupilgerstätte eine der wichtigsten religiösen Orte für Moslems in Indien ist. Wir haben beim Umsteigen auf dem Weg nach Pushkar daher einen kleinen Stopp eingelegt, um uns den wichtigen Khwaja Muin-ud-din Chishti Schrein anzusehen und uns einen kleinen Eindruck von den wuseligen Basargässchen zu machen. Eine ziemlich bizarre Sehenswürdigkeit war außerdem der zweistöckige jainistische Nasiyan Tempel, der in einer großen Halle mit goldenen Skulpturen die jainistische Vorstellung der Urzeitdarstellt.




