9.-11. September 2015: Eigentlich hätte der Titel des Eintrags auch “Nichts für schwache Mägen” lauten können, denn allein die Fahrt von Labuanbajo nach Bajawa hatte es schon gewaltig in sich. Wir waren sehr froh, etwa auf halber Strecke, einen Stopp zur Besichtigung der spinnennetz-förmigen Reisfelder bei Ruteng eingebaut zu haben, denn die Strecke war extrem kurvig und bergig. Es gab wenige Stellen in denen es mehr als 100m geradeaus gegangen ist.

Einen weiteren Stopp legte unser Fahrer in einem kleinen Dorf in der Pampa ein. Es wurde eine Hochzeit gefeiert und alle Leute, die irgendwie mit der Familie verbandelt sind, können vorbeikommen und gratis essen bzw. mitfeiern. Über ein paar Ecken traf das dann wohl auch auf uns zu und so saßen wir wenige Minuten später bereits im Kreise der Familie und aßen Reis und Schwein (Theresa natürlich nicht, aber dafür sauscharfes Sambal). Im Gegensatz zu uns in Deutschland werden hier nicht nur die besten Stücke sondern mehr oder weniger das ganze Viech gekocht. Chris, ein anderer Mitreisender, hatte z.B. ein Ohr auf seinem Teller ;-). Am frühen Abend kamen wir dann ziemlich geschafft in Bajawa an, wo man aufgrund der Lage auf ca. 1300 Höhenmetern auch sehr gut ein dünnes Jäckchen vertragen konnte.



Am nächsten Morgen liehen wir uns einen Roller aus und machten uns zusammen mit 2 Schweizern und einem Guide auf, um einen tieferen Einblick in die Sitten und Bräuche der traditionellen Dörfer um Bajawa herum zu bekommen.
Nach etwa einer halben Stunde Fahrt durch eine wirklich schöne Landschaft, die durch den Vulkan Inerie geprägt ist, stellten wir die Roller ab und wanderten eine weitere Stunde ins kleine Dörfchen Tololela. Auf dem Weg gab’s eine riesige Kokosnuss, frisch von der Palme – super erfrischend! Im Dorf selbst erklärte unser Guide uns sehr viel zum Aufbau des Dorfs und zur Bedeutung der verschiedenen Häuser und Gebilde. So erfuhren wir z.B. das die Anzahl der Bullenschädel an den jeweiligen Häusern ein Indiz für den jeweiligen Wohlstand der Familie ist. Je besser die Familie gestellt ist, desto mehr Büffel werden für die jeweiligen Zeremonien geschlachtet. Auf der einen Seite um z.B. für das neue Haus besonders viel Glück und Segen zu bekommen und auf der anderen Seite um die vielen 100 Gäste, die für das Spektakel vorbeikommen, bewirten zu können.







Wir hatten Glück, denn in Bena, unserem nächsten Stopp, fand genau an diesem Tag der erste Teil einer dieser Hauseinweihungszeremonien statt. Es wurde zwar noch nicht geschlachtet, aber dafür ausgiebigst getanzt, um die Gäste willkommen zu heißen. Weil unser Guide wieder irgendwie mit der Familie zu tun hatte, hieß es auch für uns erneut Essenfassen. Für uns war es echt beeindruckend das bunte Treiben beobachten zu können.
















Nach einem weiteren Abstecher zum traditionellen Dorf Gorosina – in spektakulärer Kulisse, war dann der Abschluss des Tages ein Sprung in die Hotsprings unten im Tal. An der Stelle, an der man baden kann, vermischen sich ein kalter und ein extrem heißer Bach (an der Quelle kann man wohl Eier kochen). Zusammen ergab das dann eine Badewanne, die bei 30 Grad Außentemperatur fast schon unangenehm warm war. Das Ambiente war auch super und so fehlte eigentlich nur noch die Poolbar mit kalten Getränken. Mit der nassen Badehose wurde es im Anschluss auf dem Rückweg nach oben ganz schön zapfig ;-).






Am nächsten Morgen klingelte der Wecker bereits sehr früh, denn wir hatten uns vorgenommen den zweiten Teil der Einweihungszeremonie beizuwohnen und die Büffelschlachtung in Bena anzusehen, die angeblich um 7:30 Uhr stattfinden sollte. Der Anblick war dann erneut nichts für schwache Mägen, d.h. wer Probleme hat Blut zu sehen, der sollte hier schleunigst das Lesen aufhören. Im ersten Moment wirkt das zwar alles sehr grausam und brutal, aber man sollte sich vor Augen halten, dass die Viecher hier ein glückliches Leben hatten und durch den Schlag in die Kehle innerhalb von wenigen Sekunden verbluten.







Das Blut wurde dann auch aufgefangen und für rituelle Zwecke verwendet, während das Fleisch (und sonstige essbare Teile) für das anschließende Festmahl vorbereitet wurden.










Beeindruckend dabei ist, dass von der Schlachtung bis zum Kochtopf in mundgerechten Happen nicht einmal 1 Stunde verging. Wenn’s ums Essen geht können dann sogar die Indonesier mal effizient sein 😉 Wir machten uns aber wieder vom Acker, weil wir bereits Mittags in Richtung Nordküste von Flores aufbrechen wollten. Und das Hauptspektakel hatten wir ja gesehen ;-).
Für die kulturell Interessierten, noch ein paar Anekdoten zum Ngada-Dorfleben in Flores:
Jeder Clan hat im Dorfzentrum jeweils einen Schrein für die männlichen Vorfahren (Ngadhu), der wie ein Sonnenschirm aussieht und einen Schrein für die weiblichen Vorfahren (Bhaga), der wie ein kleines Hüttchen aussieht. Diese werden für verschiedene Rituale und Zeremonien verwendet. Im Rahmen der Zeremonie, die wir gesehen haben, wurde z.B. der Stamm des Nghadu mit dem frisch gewonnen Büffelblut eingerieben.

Für den Bau eines solchen wird übrigens ein weiteres Ritual durchgeführt. Es wird ein Küken im Wald ausgesetzt, das (wie auch immer) den richtigen Baum bzw. Stamm finden soll. Ist der Ngadhu dann im Dorf aufgesellt, wird an gleicher Stelle ein Ferkel, ein Hundewelpe und ein Küken lebendig begraben.
Während der Neujahrzeremonie werden die Ngadhu und Bhaga zur Kontaktaufnahme mit den Ahnen genutzt und gleichzeitig der Familienstammbaum von den älteren an die jüngeren Generationen mündlich überliefert.
Für den Totenkult spielen ausserdem alte Megalithsteine eine große Rolle, die überall im Dorf aufgestellt sind.
Das Prinzip des Männlichen und des Weiblichen findet sich übrigens auch auf den Hausdächern der Ngada, den Sao, wieder (siehe Fotos).


Alles in allem eine sehr archaische Kultur. Wir waren besonders beeindruckt, dass diese Traditionen bis heute gelebt werden und nicht für den Tourismus künstlich am Leben gehalten werden. Wobei unser Guide uns erklärte, dass die Erhaltung der Traditionen und Häuser durchaus auch als Bürde verstanden werden kann, die immer einem einzelnen Familienmitglied obliegt.
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