19.-22. September 2015: Nach einem sehr kurzen Stopp in Makassar – einer großen, lauten und dreckingen Hafenstadt – fuhren wir am gleichen Abend noch weiter ins berühmte Tana Toraja Land. “Nur” eine Nachtfahrt entfernt leben im grünen Hochland die Toraja, ein Volksstamm der Jahrhunderte lang abgeschottet von äußeren Einflüssen bzw. anderen Stämmen gelebt hat und so viele alte Bräuche bewahren konnte. Auch wenn heute der Tourismus und auch die Moderne Einzug gehalten haben, leben viele Toraja noch recht traditionell, was man u.a. an den Häusern und Trachten erkennen kann. Bekannt sind sie aber v.a. für ihre aufwändigen und tagelang andauernden Begräbnisrituale…aber dazu später mehr.
Wir kamen früh morgens in Rantepao, der “Hauptstadt” an und waren zunächst einmal ein Weilchen damit beschäftigt, ein Guesthouse zu suchen, da fast alles ausgebucht war. Es gibt sicher Schöneres um sechs Uhr morgens, aber immerhin waren wir dann doch erfolgreich. Wir fanden ein Guesthouse mit schönem Ambiente das leckere Kürbissuppe auf der Speisekarte hatte.
Später machten wir uns dann zum wöchentlichen Viehmarkt auf, wo wir die ersten Aspekte der Begräbniskultur kennen lernen konnten – Kauf und Verkauf der mächtigen Wasserbüffel. Denn rituelle Büffelschlachtungen (ihr erinnert euch hoffentlich an unseren Artikel über Bajawa?!?) spielen hier eine noch zentralere Rolle und daher gibt es eine rege Nachfrage nach den Viechern. Je größer und weißer (Albinos!), desto wertvoller….







Mit dem Roller fuhren wir dann nachmittags zusammen mit zwei Spaniern, die wir auf der Fähre kennen gelernt hatten, und zwei Deutschen, durch die Gegend südlich von Rantepao.

Dort liegen einige der beeeindruckendsten Grabstätten der Toraja, wie z.B. eine riesige Begräbnishöhle und sogenannte Babygräber. Als Sehenswürdigkeit recht makarber, wenn man mit einer Taschenlampe ausgerüstet teilweise offene Särge in den Höhlen sieht. Die Toraja beerdigen ihre Toten nämlich nicht unter der Erde, sondern in natürlichen Höhlen, wo die Särge gelegt oder aufgehängt werden, oder in künstlichen Felsengräbern, die sorgfältig mit Türen verschlossen werden. Nach ihrem Glauben können die Toraja irdischen Besitz mit ins Jenseits nehmen und so werden den Toten Gaben aus dem Diesseits mit auf die Reise gegeben. Daher sieht man Zigraretten, Wasserflaschen o.ä. bei den Särgen. Wertvolleres wird wegen Grabräubern inzwischen eher zuhause aufbewahrt.



Außen an den Begräbnisstätten kann man teilweise sogenannte Tao sehen, Puppen, die die Toten darstellen. Ursprünglich galten sie als Behältnisse der Seelen… mit der Christianisierung ließ sich das jedoch nicht mehr vereinbaren und so wurden die Puppen im Laufe der Zeit nur noch zu Abbildern der Toten und damit auch aus stilisierten Figuren, detaillierte Nachbildungen der Verstorbenen.



Babys werden jedoch nicht in Höhlen bestattet, sondern in lebenden Bäumen. Diese sollen sie, die viel zu jung gestorben sind, weiter mit ihrem Harz ernähren, damit sie gemeinsam mit dem Baum wachsen.
Nachdem wir nun die traditionellen Stätten gesehen hatten, wollten wir am nächsten Tag einem dieser berüchtigten Begräbnisrituale beiwohnen. Diese finden vor allem in den Sommermonaten statt, wenn auf den Feldern weniger zu tun ist. Wir hatten von verschiedenen Zeremonien gehört, die in der Gegend stattfinden sollten und fuhren so früh morgens diesmal in nördliche Richtung los.
Auf kleinen Sträßchen gings immer höher in die Berge mit herrlichen Aussichten, vorbei an Reisfeldern und weiteren Felsengräbern – ja, das ist alles schon ein sehr zentraler Bestandteil der Region ;-).






Schließlich erreichten wir unser Ziel, ein kleines Bergdorf, wo die Zeremonie schon in vollem Gange war. Es war der zweite Tag, der Empfang der Gäste, und hunderte Leute aus den umliegenden Dörfern waren schon mit ihren Geschenken angekommen. Alles war voller Schweine und Büffel (die nicht mehr lange zu leben hatten) und es wurde gesungen und Tee ausgeschenkt. Alles im Angesicht der Tao der Toten, die auf dem Hauptplatz aufgestellt war. Zur Speisung der Gäste wurden auch die ersten Schweine flambiert – wobei ein Großteil der Opferungen erst am nächsten Tag stattfinden sollte…












Der generelle Ablauf einer solchen Zeremonie sieht üblicherweise wie folgt aus: Am ersten Tag wird der Tote zum Zeremonieplatz gebracht und teilweise finden auch Stierkämpfe zur Erheiterung der Gäste statt. An den Folgetagen werden erst die Gäste empfangen und dann finden die rituellen Schlachtungen statt. Zum Schluss wird der Tote zu seinem Grab gebracht – was wir auf der Rückfahrt noch sehen sollten.

Die Toraja sprechen dem Leben im Jenseits mehr Bedeutung zu als dem Leben im Diesseits, das nur ein “Übergang” ist. Daher ist die Einhaltung der Begräbnisrituale essenziell und es wird ein Vermögen dafür ausgegeben. Um eine standesgemäße Beerdigung finanzieren zu können, muss jahrelang gespart werden, was auch dazu führt, dass die Körper zum Teil über Jahre nach dem Tod zunächst im Hause der Hinterbliebenen aufbewahrt werden (mit Formaldehyd konserviert) und dort als “schlafende” Familienmitglieder behandelt werden, z.B. werden die Kleider gewechselt.
Am nächsten Tag erkundeten wir ein weiteres Mal den bergigen Norden mit dem Roller. Vorbei an traditionellen Dörfern und Reisterrassen dauerte es nicht lange und wir wurden ein weiteres Mal zu einer Zeremonie eingeladen. Um diese Jahreszeit scheint wohl irgendwie immer was los zu sein…. Diesmal war es auch ein fröhlicher Anlass – ein Tongkonan, ein traditionelles Haupthaus eines Dorfes, wurde nach einer Renovierung geweiht (Achtung, Parallele zu Bajawa ;-)).








Daher gab es verschiedenen Tanztruppen in farbenfrohen Trachten und sogar Flo wurde eingeladen, bei einem der Tänze mitzumachen. Natürlich standen auch schon die Schweine für die Schlachtung bereit – keine gute Party ohne Blut vergießen ;-). Aber wir bekamen diesmal nur den lustigen Teil mit und durften auch an der Gastsspeisung – Reis, Fleisch und Tee teilhaben. Unser Gastgeschenk, ein paar Päckchen Zigaretten, wurde dankend angenommen.
















Nach diesen ereignisreichen und kulturell geprägten Tagen bei den Torajas wollten wir weiter Richtung Nordsulawesi und ein paar Tage auf den Togean Islands am Strand entspannen….l