15.-17. August 2015: Esfahan! Neben Shiraz als eine der schönsten Städte angepriesen waren unsere Erwartungen dementsprechend hoch. Wir hatten quasi während der Nachtbusfahrt erneut einen Host gefunden, der bereit war uns zwei deutsche Globetrotter bei sich aufzunehmen. Zum Glück war dieser Frühaufsteher, denn wir kamen wieder sehr früh an. Wir verstauten unser Gepäck und legten uns nochmal für 2 Stunden aufs Ohr, während Mohsen und seine Frau Marjan in die Arbeit mussten… so kann’s gehen.
Als wir aufstanden war dann auch schon Eli, eine Freundin der beiden, in der Wohnung und erwartete uns. Sie will demnächst ein Studium in Deutschland beginnen und war sehr froh mit uns an ihren Deutschkenntnissen feilen zu können. So machten wir uns zusammen auf in die Innenstadt, um zusammen die Highlights der Stadt zu erkunden.
Ohne Frühstück sollte man natürlich nicht in den Tag starten und so wurde uns mit “Fereni” die nächste lokale Köstlichkeit angepriesen. Beide ließen wir uns nicht lange bitten und schlangen das leckere Zeug, bestehend aus einer Art Frischkäse und süßem Sirup, gierig hinunter.
Frisch gestärkt ging es weiter zum Naqsh-e Jahan (“pattern of the world”), dem zentralen Platz Esfahans, um den sich auch die bedeutendsten Moscheen und Paläste der Stadt ringen. Insgesamt besuchten wir drei Moscheen, die auch nach den vielen anderen schon besuchten allesamt sehr sehenswert und besonders waren: die königliche Moschee (Masjed-e Shah) ist ein prächtiger Komplex, der im 17.Jhdt erst nach 20 Jahren Bauzeit vollendet wurde und ziert wunderschöne Kacheln. Die Masjed-e Sheikh Lotfollah, oder auch “Frauenmoschee”, ist deutlich kleiner, genauso kunstvoll und war usprünglich nur für den Harem des Scheichs gedacht und nicht für die Öffentlichkeit. Und zuletzt die Masjed-e Jameh, die größte Moschee des Iran, die 800 Jahre islamische Architektur und Design widerspiegelt.








Für das Mittagessen stießen dann noch die beiden anderen zu uns und auch Sina, der Freund von Eli kam dazu. Es gab “Dizi”, ein Eintopf aus Brot, Schaf, Kartoffel, Tomate und noch so einigem mehr. Das witzige daran ist, dass man das ganze mit einem Stampfer zu einem Brei zermanscht. Naja… schmeckt schon bissl sehr nach Schaf, von daher nicht 100% unser Fall.
Nachmittags verbrachten wir noch auf dem erneut sehr schönen Bazar-e Bozorg, bevor wir abends von Marjan bekocht wurden. Highlight diesmal war ein süßes Mangomus in dem aber auch Hühnchen drin ist. Sehr merkwürdig aber irgendwie ganz lecker. Diesmal haben wir es uns nicht nehmen lassen eine Nachspeise beizusteuern… wir haben frischen Kaiserschmarrn gemacht, der ebenfalls sehr gut ankam. Während ich in der Küche stand, haben Mohsen und Sina noch mit traditionellen Instrumenten aufgespielt. Ein super netter Abend unter Freunden!





Am nächsten Morgen machten wir uns ausnahmsweise mal allein auf den Weg ins armenische Viertel. Insbesondere die Vank-Kathedrale fanden wir sehr sehenswert. Danach lungerten wir noch etwas im Viertel herum bis wir uns mit Mohsen und Marjan zum Mittagessen trafen.
Mohsen nahm sich danach den Rest des Tages frei und zeigte uns noch ein paar Ecken der Stadt. Zuerst ging es zur Moschee mit den “shaking towers”. Dort geht jeden Tag um 15Uhr ein “shaker” in eines der Minarette und fängt an daran zu rütteln. Nach ein paar Sekunden fängt das Ding an zu wackeln und die Schwingung überträgt sich über das Hauptgebäude auch auf den anderen Turm. Wir fanden’s weniger spektakulär und ordneten es eher unter der Kategorie “total crazy” ein 😉
Im Anschluss stiegen wir noch auf ein kleines Bergchen, von dem man eine super Aussicht auf die Stadt hatte. Zum Sonnenuntergang spazierten wir dann noch am Flußbett entlang und über die verschiedenen Brücken der Stadt. Leider ist der Fluß etwa 1 Woche vorher ausgetrocknet, sonst wär’s bestimmt noch ein bissl schöner gewesen.




Zuletzt verbrachten wir den Abend essend, lachend und shisha-rauchend mit unseren 4 Freunden, bevor wir am nächsten Morgen in Richtung Dasht-e Kavir aufbrachen.

Achja, ich wurde übrigens gebeten mal ein paar Takte über die Veränderung unseres Lebens und der eigenen Einstellung zu schreiben.
Nun ja, wo fang ich an… natürlich ist unser Leben im Moment grundverschieden zu unserem Leben daheim. Zuhause, in der gewohnten Umgebung, ist alles sehr klar und selbstverständlich. Man weiß wo alles ist, hat seinen geregelten Tagesablauf mit wenigen Unbekannten. Jetzt ist alles ständig ein riesengroßes Fragezeichen. Wir wissen meist nicht wo wir die nächste Nacht verbringen werden, wissen nicht wo und wann wir das nächste Mal essen werden, wissen nicht wie der Transport funktioniert und leider oft auch nicht was ein angemessener Preis wäre. Alles ändert sich sehr schnell und man hat eine riesige Flut von Eindrücken, die in der kurzen Zeit manchmal schwer zu sortieren und verarbeiten sind. Gestern noch in der Wüste, den nächsten Tag schon in einem Waldgebiet mit hoher Luftfeuchtigkeit. Aber gerade das ist eigentlich das schöne am Backpacken… eben nicht 2 Wochen an einem Ort liegen und nur entspannen, sondern die Eindrücke der Region aufsaugen bis man das Gefühl hat es kommt nichts mehr Neues, und sobald das passiert, zieht man weiter und sucht sich eine neue Quelle.
Die entscheidene Frage ist aber “Kann man das nur im Rahmen einer Weltereise?” – Aus unserer Sicht ist nicht. Wir fühlen uns eigentlich nicht anders, als in einem unserer bisherigen Urlaube. Wir haben das Jahr ja bereits runtergebrochen auf die verschiedenen Länder… 3 Wochen Kirgistan, 3 Wochen Iran, 5 Wochen Indonesien etc., d.h. für uns fühlt es sich wie eine Aneinanderreihung mehrerer Urlaube an. Sorry an alle, die sich bereits tiefgreifend
Veränderungen in unserem Wesen und unserer Einstellung ausgemalt haben… wir sind immer noch sehr deutsch und achten auf Pünktlichkeit und Effizienz 😉